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Hans Otte
1926–2007
Das Buch der Klänge
1979–1982
Kapitel I–XII
Konzertdauer: ca. 75 Minuten, keine Pause Noten/score: erhältlich durch/available by Celestial Harmonies Schallplattenaufnahme (ECM) Einführungstext: Die Suche nach Ganzheit oder die Wiederentdeckung des Hörens: Hans Otte – »Das Buch der Klänge« (rev. Text des Booklets der bei ECM erschienenen CD)
K u r z k o m m e n t a r
Mit diesem Konzert wird ein Werk vorgestellt, das in seiner Art zu den bemerkenswertesten Schöpfungen der Klaviermusik
unserer Zeit gehört und das, wie ich meine, auch zwanzig Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Schönheit, Jugend und Kraft verloren hat. Es ist das zwölfteilige Buch der Klänge von dem in
Bremen lebenden, heute vierundsiebzigjährigen Komponisten Hans Otte, der diesen Klavierzyklus in den Jahren von 1979 bis 1982 schrieb. Otte hat dieses Werk in vielen Ländern selbst aufgeführt und hat
gerade in dieser Einheit von Komponist und Pianist eine so breite Zustimmung gefunden, wie sie im Bereich zeitgenössischer Musik äußerst selten ist. Als die Schallplattenaufnahme, die der Komponist 1983
einspielte, bald nach ihrer Veröffentlichung erstmals über den Hörfunk erklang, waren die Reaktionen einiger Hörer nicht minder begeistert. Ein bildender Künstler etwa beschrieb in einem Brief, wie das
Hören dieses Werkes sein Malen angeregt habe; und ein Psychotherapeut hob die heilende Kraft hervor, die ihm von dieser Musik auszugehen schien. Ähnlich berührt hatte sich der indische Musiker Pandit
Pran Nath gezeigt, als er unmittelbar unter dem Eindruck der vom Komponisten gespielten Uraufführung dieses Werk Ottes mit einem Gebet verglich.
Wieder etwas anderes sah der französische Regisseur Jean-Luc Godard in dieser Musik. In seinem Video-Kurzfilm De l'origine du XXIe siècle (»Vom Ursprung des 21. Jahrhunderts«), mit dem die Filmfestspiele in Cannes im Mai 2000 eröffnet wurden, stellte er die gleichsam verklärte Schönheit des Anfangs von Ottes Buch der Klänge Bildern von Tod, Krieg, Gewalt, Folter, Pornographie und Terror gegenüber, ein Gegensatz, wie man zunächst ihn kaum stärker sich vorstellen kann, der zugleich aber die dieser Musik innewohnende Sehnsucht und Trauer auf unvergleichliche Art bloß legt, ohne ihr, nach meinem Empfinden, je etwas von ihrer Eigenart zu nehmen.
H. H.
(ergänzter Text aus dem Booklet der ECM-CD)
Letzte Änderung: Sonntag, 12. Juli 2009
© 2000, 2001 Herbert Henck
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