Windisch I

 

Fritz Fridolin Windisch

1895-1961


Teil 1

 

von
Herbert Henck

 

 

 

Teil 1

Kap. 1   Die Zeitschrift Melos als Ausgangspunkt
Kap. 2   Drei Lebensläufe
Kap. 3   Erster Weltkrieg, Reifeprüfung, Studium in Leipzig und Berlin
                   Erster Weltkrieg und Reifeprüfung
                   Studium in Leipzig
                   Studium in Berlin
                   Promotion und Habilitation
Kap. 4   Familiäre Verhältnisse

Anmerkungen zu Teil 1


Teil 2

Kap. 5   Literarisches und „Neuendorff & Moll“
Kap. 6   Musik
                   Lehrer
                   Kompositionen
                   Die Widmung von Ludwig Weber
                   „Melos“
                       Der Name „Melos“
                       Windischs „Melos“-Korrespondenz
                       Windischs eigene Aufsätze in Melos (1920–1922)
                       Der „Melos-Verlag“
                       Die „Melos-Gemeinschaft“ in Berlin und Leipzig“
                       Herbert Graf
                       Ein Skandal und sein Nachspiel in der Weltbühne

Chronologie
Anmerkungen zu Teil 2
Abbildung: Fritz Windisch (Foto)

Ausführlichere Informationen (Teil 1 und 2) über folgende Personen
                   Francke, Richard (Komponist)
                   Venus, Hugo (Geiger)
                   Windisch, Hans (Student der Germanistik)
                   Windisch, Wilhelm, Prof. Dr. (Biochemiker)
                   Windisch-Sartowsky, Hans (Komponist)

Dank

 

 

 




Kapitel 1
Die Zeitschrift Melos als Ausgangspunkt


Beschäftigt man sich eingehender mit der Geschichte der neuen Musik im Deutschland des zwanzigsten Jahrhunderts, wird man alsbald auf eine Zeitschrift mit Namen Melos stoßen.  Dieser fast schon unvermeidliche Vorgang sagt nicht allein etwas über die Verbreitung, sondern auch die Bedeutung der Zeitschrift – zunächst nach dem Ersten Weltkrieg in den zwanziger Jahren und später, nach dem Zweiten Weltkrieg, vorwie- gend in den fünfziger bis siebziger Jahren.  Herausgeber-, Verlags- und Orts-Wechsel, Änderungen im Turnus des Erscheinens, eine zweijährige Pause während des Höhe- punkts der Inflation und ein schwerwiegender inhaltlicher Eingriff in der Zeit des Natio- nalsozialismus bilden dabei etwas ab von dem geschichtlichen Geschehen, in die das Periodikum eingebunden war.

Neben einer professionellen Gestaltung, Anfertigung und Auslieferung gründete der gute Ruf der Zeitschrift auf zahlreichen Originalbeiträgen über die Musik der Gegenwart, die begleitet waren von Fotos, Werkbeschreibungen, Notenbeilagen und Abbildungen aus Partituren, Analysen, Erinnerungen, Stellungnahmen, ästhetischen Betrachtungen sowie Besprechungen von Musikalien, Büchern, Schallplatten und Konzerten.  Inserate ver- wiesen auf anstehende Aufführungen und Festivals, Neuerscheinungen verschiedener Branchen und anderes mehr. Dies alles betraf im Wesentlichen den aktuellen Stand des Komponierens und war oftmals von kundigen und angesehenen Fachleuten, wenn nicht den Künstlern selbst verfasst. Mochte man im Einzelfall auch anderer Meinung sein als die Autoren, das ein oder andere vermissen oder die Gewichte anders verteilen, so erhielt man aufs Ganze gesehen doch einen kompetenten und liberalen Überblick über das zeitgenössische Geschehen in der Musik. Man konnte erkennen, wer worüber nachgedacht hatte, zu welchen Ergebnissen man gelangt war und wer den Ton angab, sobald man sich von der Illusion einer objektiven Darstellbarkeit befreit hatte und die fast bei einer jeden Zeitschrift zu beobachtende Verflechtung von Kunst, Politik und Wirtschaft aufzulösen verstand.

Weiß man vielleicht noch, dass die Zeitschrift Melos einst von dem Dirigenten Her-
mann Scherchen (1891–1966) ins Leben gerufen und, seit ihrem ersten Heft im Fe-
bruar 1920, zunächst in Berlin veröffentlicht worden war, so werden die Kenntnisse merklich geringer in jenen Jahren, die einerseits zwischen Scherchens Übergabe des Periodikums an Fritz Windisch im Mai 1921 und andererseits nach einer zweijähri-
gen Pause dem neuerlichen Wechsel in der Herausgeberschaft an Hans Mersmann
im August 1924 liegen. [1]  Zwar war der Lebensweg Mersmanns, der sich in seinen Tätigkeiten, Schriften und Ämtern fast ausschließlich im Bereich der Musik bewegte, vergleichsweise übersichtlich, doch mehrten sich die Irrtümer, Ungenauigkeiten, Ver-
sehen oder Missverständnisse in Bezug auf Fritz Windisch, so dass selbst sein Geburts-
jahr uneinheitlich in die Literatur einging oder ihm Werke zugeschrieben wurden, die gar
nicht von ihm stammten. Auch Windischs heutige Bezeichnung als „Musikwissenschaft-
ler“ trifft die Thematik seines Schaffens nur zu einem geringen Teil, denn Begabung, Neigung und Ehrgeiz reichten bei ihm zu weitaus mehr. Dabei stützten sich die Kennt-
nisse über Windisch hauptsächlich auf die Musiklexika der zwanziger Jahre, deren An-
gaben, seien sie auch noch so unvollständig oder sogar falsch, in der Folge nur wieder-
holt wurden und mitunter bis heute verbreitet sind. [2]  Jüngere Nachschlagewerke zur Musik verzichteten, da es offenbar nichts Neues zu verzeichnen gab, schließlich ganz auf einen eigenen Artikel über Windisch oder erwähnten ihn allenfalls beiläufig, sobald die Rede auf die Herausgeberschaft von Melos kam. [3]

Die musikalischen Werke Windischs wurden, der scheinbar nur geringen Bedeutung ihres Autors gemäß, höchstens gestreift, bestenfalls in Form einer knappen Liste erfasst und mit dem einen Satz beschrieben: „Seine Kompositionen sind charakterisiert durch ,rein melodisch bedingte Stimmführung‘.“ [4]  Dann verschwand Windisch wieder so schnell aus der Musik, wie er in dieser bekannt geworden war, denn Mitte der zwanzi-
ger Jahre hatte er bereits eine entscheidende berufliche Wende vollzogen, hatte sich
von der Kunst gelöst und war, dem Vorbild seines Vaters folgend, zur Naturwissen-
schaft und Forschung übergewechselt.  Die Grundlagen dieser Forschung waren gewiss nicht mehr der großen Öffentlichkeit zugedacht, sondern traten für ein anderes Publi-
kum in Zeitschriften und Nachschlagewerken anderer Art zutage, setzten umfangreiche Kenntnisse voraus und waren daher fast nur Wissenschaftlern, welche sich um die Lö-
sung derselben oder ähnlicher Probleme bemühten, bis in Einzelheiten hinein begreiflich. Soweit es sich erkennen lässt, verfasste Windisch nach 1924 keine musikalischen oder literarischen Werke mehr, und jegliches Interesse an Kunst schlechthin scheint nach diesem Zeitpunkt zu erlöschen.  Einige Gründe, wie und warum es zu diesem bemer-
kenswerten Wechsel zur Wissenschaft kam, werden im Verlauf dieser Abhandlung an-
gesprochen.

Nach einem Studium in Leipzig und Berlin mit anschließender Promotion und Habilita- tion sowie dem Aufbau eines eigenen wissenschaftlichen Instituts („Institut für Brauerei und Mälzerei“, auch „Institut für Gärungsforschung“ genannt) wurde Windisch nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr zu einem der herausragenden Biochemiker der Deutschen Demokratischen Republik, von dem bei seinem Tod im Jahre 1961 schließlich an die zweihundert wissenschaftliche Veröffentlichungen vorlagen.  Diese Betätigung ging von der Chemie der Gärungen aus, wie sie etwa durch die Versuche von Louis Pasteur [5] oder im Brauereiwesen bekannt waren, führte im Laufe der Zeit aber auch zu zellphysiologischen Untersuchungen, die sich ihrerseits in vielfältigen Beiträgen zur Krebsforschung niederschlugen.  Erfindungen und Patente auf dem Ge- biet der technologischen und physiologischen Arbeits- und Messmethoden sowie die gemeinsam mit dem Biochemiker Hugo Haehn [6] gewonnenen Erkenntnisse im Bereich von Vitaminbier und Vitaminpräparaten verliehen Windisch in Fachkreisen internationale Anerkennung.  Im Jahre 1950 wurde er Direktor des „Instituts für zellphysiologische Krebsforschung“ der „Deutschen Akademie der Wissenschaften“, und die akademische Laufbahn des Biochemikers gipfelte 1955 in einem Lehrstuhl an der Berliner „Humboldt-Universität“ sowie in der Verleihung des „Vaterländischen Verdienstordens“ in Silber [7]. Verwiesen sei auf das 1962 von der „Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig“ im Berliner Akademie-Verlag herausge- gebene Biographisch-literarische Handwörterbuch von J. C. Poggendorff, in dem ein Abriss von Windischs naturwissenschaftlicher Laufbahn steht und auf mehreren Seiten seine Veröffentlichungen verzeichnet sind.  Ebenso ist hier aber ein Beitrag über Windischs Vater, Prof. Dr. Wilhelm Windisch (1860–1944), zu finden, der als Gärungs-Chemiker bereits um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert verschiedene Bücher und Aufsätze über die Gärungswissenschaften und Braukunst veröffentlicht hatte und der einer der anerkannt fortschrittlichsten wie beliebtesten Persönlichkeiten in seinem Fache war. [8]  Dieses Beispiel mag die endgültige Berufswahl seines Sohns bestimmt oder beeinflusst haben. [9]  Dass in den Jahren 1895/96 ein Mälzer und Brauer namens „J. Windisch“ in Berlin lebte, könnte ein Hinweis auf eine noch längere Familientradition sein, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Nachname Windisch nicht allzu selten ist. [10]

 

 


Fritz Windisch
1895–1961

spätestens 1960; der Fotograf ist unbekannt
[11]
 
 




Kapitel 2
Drei Lebensläufe


Da ein Verfasser musikbezogener Schriften namens Fritz oder Fritz Fridolin Windisch
in den konsultierten Bücher- und Handschriften-Katalogen ab Mitte der zwanziger Jah-
re regelmäßig nicht mehr genannt wurde und statt dessen die Dissertation eines Fritz Windisch über die Essiggärung und später eine Habilitationschrift über die Bedeutung des Sauerstoffs für die Hefe in Erscheinung traten, war unter anderem zu vermuten, dass es sich hier um ein und dieselbe Person handeln könnte. Dieser Wandel war zwar ungewöhnlich, lag aber umso näher, als unter der Adresse von Fritz Windisch (Berlin-
Niederschönhausen, Lindenstraße 35 b [12]) auch ein Wilhelm Windisch wohnte, der „Prof. Dr.“ war und bei dem es sich um den Vater von Fritz Windisch hätte handeln können. Und da sich von diesem Wilhelm Windisch auch mehrere Publikationen nach-
weisen ließen, die auf brau- und gärungstechnische Dinge Bezug nahmen, war dieser Zusammenhang zu berücksichtigen. Darüber hinaus wurde in Erich H. Müllers Deut-
schem Musiker-Lexikon
(1929) unter dem Artikel über den Komponisten und Musik-
schriftsteller Fritz Windisch die Adresse „Lindenstraße 35 b“ in Berlin-Niederschön-
hausen angegeben, was die Vermutung bekräftigte. [13]

Um Klarheit zu erlangen, wandte ich mich an das Archiv der „Humboldt-Universität“
in Berlin und fragte an, ob etwas über das Studium eines Fritz (Fridolin) Windisch um 1920 herum bekannt sei und sich vielleicht ein Curriculum Vitae (Lebenslauf) in den Akten oder den veröffentlichten Universitätsschriften befinde.  Darauf wurden mir ne-
ben anderen Dokumenten drei maschinenschriftliche, jeweils handschriftlich signierte Lebensläufe Windischs als Fotokopie überlassen: ein undatierter Lebenslauf von nur sechs Zeilen, der die Einreichung von Windischs Dissertation am 11. November 1925 begleitete und später in gedruckter Form in der Dissertation selbst erschien (Phil. Fak. 651, Blatt 116) [14]; ein zweiseitiger undatierter Lebenslauf (PA – Windisch, F. Bd. 1, Bl. 17 u. 18) und schließlich ein Lebenslauf mit dem Datum vom 26. Juli 1948 (PA – Windisch, F., Bd. 3, S. 8) von nur einer Seite.  Da der ausführlichste, aber undatierte zweite Lebenslauf im Rahmen von Windischs Vortragstätigkeit das Jahr 1944 erwähnte (siehe unten) und zuvor Windischs Entlassung im Nationalsozialismus zur Sprache kam, wurde dieser Text wohl erst nach dem Zweiten Weltkrieg verfasst, lag vielleicht einer Bewerbung bei und entstand möglicherweise in zeitlicher Nähe zu dem datierten Le-
benslauf.  Am Anfang des undatierten Dokuments heißt es: „Dr. Fritz Windisch, | z[ur]
Z[ei]t Gräflich Görtzische Brauerei. | Schlitz (Hessen) | Lebenslauf | Eingereicht an die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Berlin“. [15]

Diese drei Lebensläufe sind Dokumente aus erster Hand, die übereinstimmend als Geburtstag deutlich den 20. Dezember 1895 (und nicht 1897 oder 1898) in Berlin- Niederschönhausen nennen. [16]  Die handschriftliche Unterzeichnung ist in allen drei Fällen ähnlich und trägt unverkennbar dieselben Züge wie die Unterschriften in den an Arnold Schönberg oder Josef Matthias Hauer gerichteten Briefen aus den Jahren 1921 bis 1923, die zum Teil auch auf Briefpapier von „Melos“ stehen.  In diesen Schreiben ist die Adresse des Absenders vorgedruckt, auf den Brief gestempelt oder hand-
schriftlich ausgeführt, und jeweils ist „Niederschönhausen“ und die „Lindenstraße 35b“ klar zu lesen. Dass es sich hier um ein und dieselbe Person handelte, die zunächst musi-
kalischen Interessen nachging und später Biochemiker wurde, war den überlieferten
Dokumenten damit mehrfach und unzweideutig zu entnehmen.

Der Text des datierten Lebenslaufs (1948), der bereits wichtige Stationen nennt, sei zunächst wiedergegeben. Aus dem undatierten Lebenslauf wird dann anschließend ein Abschnitt zitiert, weil darin der Entzug von Windischs Lehrbefugnis im Nationalsozia- lismus eingehender zur Sprache kommt.“


    „Prof. Dr. Fritz Windisch
    B[er]l[i]n-Niederschönhausen,
    Grabbeallee 48 [17]
    26. Juli 1948

    L e b e n s l a u f
    eingereicht an die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
    der Universität Berlin

    Als Sohn des Dr. Wilhelm Windisch, Professor am Institut für Gärungsgewerbe in Berlin, bin ich am 20. Dezember 1895 in Berlin-Niederschönhausen geboren. Ich absolvierte das Realgymnasium zu Berlin-Pankow. Nach Teilnahme am ers- ten Weltkrieg 1914/1918 studierte ich zuerst Kunstgeschichte und Musik und ging dann zum Studium der Naturwissenschaften über. An den Universitäten Berlin und Leipzig studierte ich Chemie, Physikalische Chemie, Botanik, Geolo- gie und Philosophie und promovierte 1925 an der Universität Berlin zum Doktor der Philosophie mit einer Arbeit über ,Das Wesen der Essiggärung und die che-
    mischen Leistungen der Essigbakterien‘, die ich unter Prof. Dr. Carl Neuberg [18] am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biochemie in Berlin Dahlem ausgeführt hatte.
         1926 wurde ich wissenschaftlicher Assistent am Institut für Gärungsgewerbe in Berlin und führte an den biologischen, biochemischen und gärungstechnologi- schen Abteilungen dieses Instituts wissenschaftliche und technologische Arbeiten durch, die in den verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht worden sind. 1928 wurden mir biotechnische Vorlesungen am Institut für Gärungsgewerbe übertragen. Mit einer Arbeit über ,Die Bedeutung des Sauerstoffs für die Hefe und ihre biochemischen Wirkungen‘ habilitierte ich mich 1930 an der Universität Berlin für das Fach der ,Biochemie‘. 1932 gründete ich ein eigenes ,Institut für Gärungsforschung‘ in Berlin. [19]
         Aufgrund von § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten- tums wurde ich wegen meiner engen Verbindung mit Prof. Neuberg [20] von der Universität Berlin relegiert. [21]   Ich war aber in der Lage, mein eigenes Untersuchungs- und Forschungslaboratorium in Berlin weiterhin zu unterhalten, so dass ich laufend wissenschaftliche und gärungstechnologische Arbeiten ver-
    öffentlichen und in der Zeit von 1935 bis 1944 mehr als 50 Fachvorträge über aktuelle Gärungsprobleme halten konnte. Am 17. April 1947 wurde ich als Pro-
    fessor mit Lehrauftrag für ,Biochemie‘ in der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Universität Berlin berufen und halte daselbst Vorlesungen über Angewandte Biochemie und Biotechnik.
                [handschriftlich:]                              F. Windisch
                [wieder maschinenschriftlich:]      (Prof. Dr. F. Windisch)“ [22]


Das von Christoph Jahr unter Mitarbeit von Rebecca Schaarschmidt herausgegebene Buch Die Berliner Universität in der NS-Zeit (2005) hält fest, dass Windisch unter dem Nationalsozialismus heftigen Angriffen der Studentenschaft ausgesetzt war, und man machte ihm unter anderem den Vorwurf, bereits als Schüler kommunistischen Ideen angehangen zu haben. Steffen Rückl und Karl-Heinz Noack schreiben in ihrem Aufsatz Studentischer Alltag an der Berliner Universität 1933 bis 1945 in dem genannten Buch:

    „Dr. habil. Fritz Windisch, Privatdozent für Biochemie seit 1931 am Institut für Gärungsgewerbe und Stärkefabrikation, war zur Zielscheibe der nationalsozia- listischen Studentenschaft geworden. In einer Eingabe der Studentenschaft der Landwirtschaftlichen Hochschule an den Führer der Deutschen Studentenschaft Gerhard Krüger [23] von Anfang Mai 1933 wurde Windisch in übler Weise diffamiert und beleidigt. Ihm wurden kriminelle Handlungen unterstellt und er wurde als Anhänger des Kommunismus bezeichnet, der schon als Schüler kom-
    munistische Ideen vertreten habe. Deshalb wurde seine sofortige Abberufung verlangt. Nachdem er am 10. Mai 1933 zunächst mit sofortiger Wirkung be-
    urlaubt wurde, erfolgte kurz darauf der Entzug der Lehrbefugnis. Nach 1945 kehrte Fritz Windisch, jetzt als Professor mit Lehrstuhl, an die Universität zu-
    rück.“ [24]

Bei den Vorgängen im Nationalsozialismus sei noch verweilt, da der zweiseitige, un- datierte Lebenslauf Windischs auf weitere Einzelheiten eingeht, zumal der ansonsten wertvolle Aufsatz von Willy Nordheim zu Windischs 65. Geburtstag auf die Zeit des Nationalsozialismus nicht eingeht. [25]  So heißt es in den letzten Absätzen des unda-
tierten, in Schlitz verfassten Lebenslaufs von Fritz Windisch auf Blatt II:

    „1932 trat ich auf eigene Veranlassung aus dem Institut für Gärungsgewerbe in Berlin aus und gründete ein eigenes ,Institut für Gärungsforschung‘ in Berlin. Mitten in dieser Aufbauarbeit wurde ich 1933 auf Betreiben des Dozentenfüh-
    rers Prof. Dr. [Erhard] Landt [26] und einiger anderer nationalsozialistischer Dozenten wegen meiner antifaschistischen Einstellung von der Gestapo verhaf-
    tet und anschliessend aus dem Lehrkörper der Universität ausgestossen. Das
    Entlassungsschreiben, das sich im Original in meinem Besitz befindet, lautet:
         ,Auf Grund von § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten-
    tums vom 7. April 1933 entziehe ich Ihnen hiermit die Lehrbefugnis an der Uni-
    versität Berlin. [27]  Der Reichs- und Preussische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.‘
         Nach meiner Entlassung von der Universität habe ich ein eigenes Untersu- chungs- und Forschungslaboratorium in Berlin unterhalten, dabei eine Tätigkeit als technischer Berater der Gärungsindustrien ausgeübt, laufend wissenschaft- liche und gärungstechnologische Arbeiten veröffentlicht und mehrere techni-
    sche Neuerungen (D.R.P. [Deutsches Reichspatent]) in die Gärungsindustrien eingeführt. In der Zeit von 1935 bis 1944 habe ich mehr als 50 Vorträge mit an-
    schliessender Diskussion über aktuelle Gärungs-, Mälzungs- und Brauprobleme (die Themen waren jeweils spezifiziert) in den einzelnen Sektionen der ,Tech-
    nisch-wissenschaftlichen Vereinigung des Brauerei- und Mälzereigewerbes
    (e.V.)‘ gehalten; ausführliche Referate über meine Vortragstätigkeit finden
    sich in den verschiedenen Organen der Fachpresse.“

Bestätigt wurde die „Entziehung der Lehrbefugnis“ zusätzlich durch eine in der Ad- ministration des Nationalsozialismus entstandene Karteikarte, die aus dem ehemaligen „Berlin Document Center“ stammt und sich heute im Bundesarchiv in Berlin befindet. Hieraus geht hervor, dass Windischs Lehrbefugnis am 1. Juni 1935 entzogen wurde. Windischs sofortige Beurlaubung im Jahre 1933 wird in der folgenden Fußnote ange- sprochen. [28]

Eine Todesanzeige, die am 11. April 1961 in der Berliner Zeitung erschien, bestätigt und ergänzt noch Teile des Lebenslaufs von 1948. Sie lautet:

    „Nach langem schwerem Leiden wurde uns der Direktor | des Bereiches Zellphysiologie am Institut für Medizin | und Biologie der Deutschen Akademie der Wissenschaf- | ten zu Berlin | Herr Prof. Dr. habil. | Friedrich Windisch | Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Silber | Professor mit Lehrstuhl für Biochemie | an der Humboldt-Universität zu Berlin | am 7. April 1961 durch den Tod entrissen. | Sein Leben und Schaffen stand im Dienste der Krebs- | forschung. Wir verlieren in ihm eine Persönlichkeit von | lauterem Charakter, selbstloser Güte und aufopfernder | Pflichterfüllung. Sein Andenken wird in seinem Werk | weiterleben. | Institut für Medizin und Biologie der | Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin | Institutsleitung SED-Betriebspartei- organisation | Betriebsgewerkschaftsleitung | Beisetzung am Mittwoch, dem 12. 4. 1961; um 13 Uhr, Städtischer | Friedhof Pankow, Abteilung III, Bahnhofstraße“ [29]




Kapitel 3
Erster Weltkrieg, Reifeprüfung, Studium in Leipzig und Berlin


Erster Weltkrieg und Reifeprüfung

Zwar ist allen drei genannten Lebensläufen (Kapitel 2) zu entnehmen, dass Windisch am Ersten Weltkrieg 1914–1918 teilgenommen hatte, doch gehen aus anderen Quellen noch weitere Einzelheiten hervor. In seinem undatierten Lebenslauf aus dem hessischen Schlitz schreibt Windisch:

    „Ich absolvierte das Realgymnasium zu Berlin-Pankow und war anschliessend von 1914 bis 1918 Marinesoldat im ersten Weltkrieg. 1918 als d. u. [= dienst- unbrauchbar] vom Militär entlassen, begann ich nach allmählicher Besserung meines Gesundheitszustandes zuerst Kunstgeschichte und Musik zu studieren und ging danach zu dem Studium der Naturwissenschaften über.“ [30]

Da hier anfangs die Rede von dem Realgymnasium in Berlin-Pankow ist, sei zunächst erwähnt, dass Windischs „Zeugnis der Reife“ laut der späteren „Meldung zur Promo-
tionsprüfung“ an der Universität auf den „2. Dezember 1915“ datiert ist (siehe unten). Windisch selbst schreibt in seinem ersten, in seiner Dissertation wiederzufindenden Lebenslauf (siehe oben), dass er „das Maturitätszeugnis 1916 am Real-Gymnasium zu Pankow“ erhalten habe, doch könnte die Unstimmigkeit der Jahre allein auf der Zu-
stellung der Urkunde beruht haben. Nimmt man den folgenden Karteikarten-Eintrag der Leipziger Quästur in die Berechnung auf, so müssten sich beiden Angaben zufolge das Ende des Schulbesuchs und die Kriegsbeteiligung aber überschnitten haben.

Weiteres über Windischs militärischen Werdegang sowie sein erstes Semester an der Leipziger Universität ist ebenfalls in deren „Quästurkartei“ festgehalten. [31]  Die Handschrift des Karteikarten-Eintrags ist zwar teilweise nicht leicht zu entziffern, doch lassen sich folgende Angaben mit wohl hinreichender Verlässlichkeit wiedergeben: Windisch wurde als „Kriegsfreiwilliger“ 1914 in die „Matrosen-Artillerie-Abteilung“ von Friedrichsort – ein alter Militärstützpunkt, heute ein Stadtteil im Norden Kiels – aufgenommen. 1915 war er „im Felde“ bei dem „2. Matrosen-Artillerie-Regiment“; 1916 wurde er „Obermatrose“, dann „Maat“ und „Reserve-Offizier-Aspirant“. Nach- dem er 1917 zum „Bootsmannsmaat“ befördert worden war, wurde Windisch am 31.
März 1918 als „dienstunbrauchbar“ entlassen. [32]  Ein anderer Grund für seine Ent-
lassung wird nicht genannt, [33] doch schreibt Windisch in seinem zuletzt zitierten Le-
benslauf, dass er sein Studium der Kunstgeschichte und Musik erst „nach allmählicher Besserung“ seines „Gesundheitszustandes“ begann, so dass von einer Erkrankung oder
Verwundung auszugehen ist. [34]

Zwar gibt es keinerlei Belege für einen Zusammenhang der Ereignisse mit Fritz Windisch, doch sei wenigstens am Rande vermerkt, dass es Ende Oktober 1918 in Kiel zum sogenannten Matrosenaufstand kam. Dieser Aufstand wird vielfach als Vorbote, ja Beginn der deutschen Novemberrevolution von 1918 betrachtet, aufgrund derer das Ende der Jahrhunderte alten Monarchie in Deutschland erfolgte. Befehlsver- weigerungen und Meutereien auf Schiffen der Kaiserlichen Marine gingen voraus, der Ruf nach „Frieden und Brot“ wurde laut, die Rote Flagge vielfach auf Häusern wie Schiffen gehisst, Soldatenräte gegründet. Tausende versammelten sich Anfang Novem- ber 1918 zu Kundgebungen in Kiel. Es kam zu Schüssen in die Menge der Demon- stranten; sieben Menschen starben, ein Mehrfaches dieser Anzahl wurde schwer verletzt, so dass sich die Auseinandersetzungen zu Gewalttätigkeiten steigerten. [35]



Studium in Leipzig

Neben der militärischen Laufbahn geht aus der Karteikarte der Quästur in Leipzig hervor, dass sich Windisch am 27. Mai 1918 an der „Universität Leipzig“ unter der Nummer „594“ einschrieb, doch bereits am 31. August 1918 mit einem auf diesen Tag datierten Abgangszeugnis sein Leipziger Studium wieder beendete. Weiteren Auf- schluss über den Aufenthalt an der Universität, der in zeitlicher Folge erst in Leipzig, dann in Berlin stattfand, lieferte das sogenannte Sittenzeugnis (Leumunds- oder Führungszeugnis hinsichtlich von Vorstrafen), das sich wie vorstehende Karteikarte heute im Universitätsarchiv Leipzig befindet (Signatur: UAL, Sittenzeugnisse). Aus diesem Dokument sind die Fächer, die Windisch belegt hatte, zu ersehen. Der Begriff „Musikwissenschaft“ fiel dabei ebenso wenig wie der Name von Hugo Riemann, und die von Johannes Volkelt angebotenen Vorlesungen über „Kunst und künstlerisches Schaffen“ sowie Vorlesungen über Schopenhauer von Max Brahn waren die einzigen Gebiete, die nicht der Naturwissenschaft angehörten.

    „Anorganische Experimentalchemie                                   Hantzsch. [36]
    Ergänzung dazu
    Analytische Chemie                                                           Schäfer. [37]
    Analytisch- und anorganisch-chemisches Halbpraktikum     Hantzsch. [38]
    Allgemeine Botanik                                                            Pfeffer. [39]
    Experimentalphysik                                                            Wiener. [40]
    Kunst und künstlerisches Schaffen                                      Volkelt. [41]
    Schopenhauer                                                                    Brahn.“ [42]



Studium in Berlin

Windisch immatrikulierte sich in Berlin am 18. September 1918, wobei er unter der Matrikel-Nummer 3170 des Rektorats an der Philosophischen Fakultät der „Friedrich- Wilhelms-Universität“ zu Berlin geführt wurde. [43]  Ein „Entwurf“ des Abgangszeug- nisses der Universität, welcher das Immatrikulationsdatum wiederholte, ist auf den 19. Dezember 1923 datiert, doch wurde die Zeit des Studiums nur ab der Immatrikulation „bis zu seiner [Windischs] am 18.4.[19]21 wegen Nichtann[ahme] von Vorles[un- gen] erfolgten Löschung als Studierender der Philosophie“ gerechnet.[44]  Auch wenn es sich hier um ein vergleichsweise kurzes Studium gehandelt zu haben scheint, nennt die „Meldung zur Promotionsprüfung“, die am 27. November 1925 ausgefertigt und vom Dekan der philosophischen Fakultät [Ludwig] Diels unterschrieben wurde, unter dem Vordruck „Nachweisung des akademischen Trienniums“ als handschriftli- chen Eintrag: „Leipzig 1 Semester Berlin 5 Semester“.



Promotion und Habilitation

Über Windischs Promotion waren noch andere Dokumente im Archiv der „Humboldt- Universität“ vorhanden, nämlich zunächst die „Meldung zur Promotionsprüfung“ vom 13. Dezember 1925, welche vom Dekan der Philosophischen Fakultät [Ludwig] Diels unterzeichnet wurde und welche die Herren [Carl] Neuberg und [Hermann] Thoms um Beurteilung von Windischs Dissertation sowie um den Vorschlag eines geeigneten Prädikats für diese ersuchte. Die hierauf anberaumte Sitzung am 24. Juni 1926, bei der Windisch in seinen angemeldeten Fächern von den verschiedenen Lehrkräften geprüft wurde, kam zu dem Ergebnis, dass die Dissertation mit „valde laudabile“, die mündliche Prüfung mit der Gesamtnote „cum laude“ zu bewerten sei. Windischs Prüfung wurde nur in naturwissenschaftlichen Fächern abgelegt, und eine Ausnahme bildete einzig „Philosophie“, wobei Heinrich Maier die Leistungen des Kandidaten über Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft mit dem Prädikat „Recht gut“ bedachte. Windischs Prüfer waren im Einzelnen:

Carl Neuberg unterzeichnete handschriftlich am 10. November 1925 die ansonsten maschinenschriftliche „Bescheinigung“, dass Fritz Windisch seine Dissertationsarbeit Das Wesen der Essiggärung und die chemischen Leistungen der Essigbakterien „im Laufe des Wintersemester[s] 1924/25 und des Sommersemesters 1925“ unter seiner Leitung ausgeführt habe. Diese Bescheinigung war auf vorgedrucktem Brief-
papier des „Kaiser Wilhelm-Instituts für Biochemie“ in Berlin-Dahlem ausgestellt. [45]

Die Habilitation von Fritz Windisch erfolgte ab dem Jahr 1930 und hatte zur Grundlage die Schrift: Die Bedeutung des Sauerstoffs für die Hefe und ihre biochemischen Wirkungen[46] Offiziell ausgesprochen wurde die Habilitation von der Landwirt- schaftlichen Hochschule wohl erst im Jahr 1932 und fiel damit etwa in die Zeit, in der Windisch sein eigenes „Institut für Gärungsforschung“ in Berlin einrichtete. [47]




Kapitel 4
Familiäre Verhältnisse


Versucht man die familiären Verhältnisse von Fritz Windisch zu klären, wird man bald feststellen, dass er allenfalls seinen Vater in den Lebensläufen erwähnte (siehe Kapi- tel 2). [48]  Weder seine Mutter, Geschwister, Ehefrau noch sonstige Angehörige der Familie kommen in den ausgewerteten Quellen zur Sprache, und so muss man vielleicht davon ausgehen, dass Windisch die strikte Trennung von Privat- und Berufsleben be-
absichtigte. Eine allgemeine Zurückhaltung wird hier sichtbar, die auch in dem Aufsatz von Ludwig Kantorowicz in der Weltbühne anklingt. [49]  Diese Auffassung wurde von Dr. Peter Lietz bestätigt, der mir mitteilte, dass Windisch „über seine persönlichen Verhältnisse offensichtlich nicht viel erzählt“ habe. So ließ sich zunächst nur durch eine Auskunft der Friedhofsverwaltung in Pankow feststellen, dass Windisch verheiratet
war. [50]  Später erfuhr ich von Lietz, dass Dr. Willy Nordheim, Windischs langjähri-
ger Assistent, Windischs Grab vor der Auflösung auf dem Pankower Friedhof gemein-
sam mit seiner Frau gepflegt habe. Ebenso geht auf Peter Lietz der Hinweis zurück, dass bereits Wilhelm Windisch komponiert hatte. [51]

Nach Lage der Quellen scheint es jedoch möglich, dass Fritz Windisch einen älteren
Bruder mit Vornamen Hans hatte, denn ein „Hans Windisch“, der von 1916 bis 1917
in Berlin Germanistik studierte, erscheint im Studentenverzeichnis der Universität Berlin mit derselben Adresse wie Fritz Windisch (Niederschönhausen, Lindenstraße 35 b). [52]  Das von Arnold Ebel herausgegebene Berliner Musikjahrbuch 1926 nennt in dem von Dr. Walter Grube redigierten Adressenteil dagegen mit dieser Nie-
derschönhauser Anschrift einen „Musikschriftsteller“ und „Komponisten“ namens „Windisch-Sartowsky, Hans“. [53]  Ein ausführlicherer Artikel über den Komponisten „Windisch-Sartowsky, Hans“ wurde in E. H. Müllers Deutschem Musiker-Lexikon 1929 veröffentlicht, doch besteht der Eintrag außer dem Geburtstag (23. Januar 1894 in Berlin) fast nur aus den Angaben der von ihm komponierten Werke (bis op. 51) und ihren Aufführungen. Müller ergänzt in eckigen Klammern jedoch den Familiennamen des Komponisten als „Vindyš-Sartovský“, so dass man den Eindruck gewinnt, es han-
dele sich hier um einen tschechischen Komponisten, zumal Brünn und Prag als Auffüh-
rungsorte in der anschließenden Werkliste genannt werden (siehe unten). Am Ende von Müllers Artikel lautet die Adressangabe des Komponisten: „Schmachtenhagen b[ei]
Oranienburg“. [54]  Dass es sich hier nicht um eine Verwechslung oder sogar einen fingierten Eintrag handelt, lässt sich, soweit nicht „Windisch“ auch als Vornamen ge-
braucht wird, durch die Operette Die weiße Herrin belegen. [55]  Ein Eintrag in dem Kurzgefaßten Tonkünstler-Lexikon von 1936 wiederholt bloß einige Angaben von Müller, nennt aber bei vielen Werken nur ihre Gattungen. [56]  Unter Verwendung verschiedener Varianten der Schreibweise „Windisch-Sartowsky“, ließen sich einige wenige Drucke nachweisen, die fast nur in die Zeit von 1929 bis 1936 fielen, darunter auch Lieder in der künstlichen Weltsprache Esperanto. Somit müssten erst noch wei-
tere biografische Belege beigebracht werden, um die Frage zu klären, ob Hans Win-
disch-Sartowsky möglicherweise ein Bruder oder anderer Verwandter von Fritz und Wilhelm Windisch war oder solches ausgeschlossen werden kann. Ebenso könnte eine Verwandtschaft mit dem Autor Hans Windisch, der mehrere Bücher über fotografische Techniken verfasste, oder mit einem Buch-Illustrator desselben Namens bestehen.

Bei diesen Fragen der Herkunft der Familie ist auch zu beachten, was Wilhelm Win-
disch über seine Vorfahren wie über seinen Bezug zur Musik sagte: „Eigentlich habe
ich meinen Beruf verfehlt. Ich habe Talent zur Musik, denn meine Ahnen stammen aus Böhmen, wo die edle Musika zu Haus ist, dann aber auch für Land- und Forstwirt-
schaft.“ [57]  Das „Talent zur Musik“ wurde bei Wilhelm Windisch durch eine eigene Kompositionen sichtbar, nämlich das Alkoholische Lied, welches 1904 im 6. Tausend bei Paul Parey in Berlin erschien und dessen Titelseite bei Lietz abgebildet ist: Dieser Druck ist der Burschenschaft „Cerevisia“ (lateinisch „Bier“; vgl. „cerveza“ im Spani-
schen) als Kneiplied gewidmet. [58]  Der Hinweis auf Böhmen könnte natürlich mit der von Müller gebrauchten Umschrift in Zusammenhang stehen (vgl. hier).

 

Fortsetzung in Teil 2

 


 
Anmerkungen zu Teil 1

[1]  Zur Geschichte von Melos vgl. die Einführung von Ole Hass, „Melos“ (Berlin, 1920–1934) auf einer Webseite des Retrospective Index to Music Periodicals 1800–1950 (2005) unter http://www.ripm.org/journal_info.php5?ABB=MEL; vollständige pdf-Fassungen der Einführung sind zu finden unter http://www.ripm.org/
pdf/Introductions/MELintroEnglish.pdf
(englisch; S. ix–xvi) und http://www.ripm.org/
pdf/Introductions/MELintroor.pdf
(deutsch; S. xvii–xxiv). Die Verfasserschaft ist nur auf der zuerst genannten Webseite (html) mit der englischen Kurzfassung ausgewiesen, die auch die Versionen des vollständigen Aufsatzes (pdf-Format) als download enthält.
Vgl. weiterhin den Artikel Zeitschriften in Hugo Riemanns Musiklexikon (11. Aufl., Bd. 2, Berlin: Max Hesses Verlag, 1929, S. 2067, linke Sp.) sowie den in Fußnote [3] genannten Aufsatz (2001) von Stephan Schulze.

[2]  Vgl. die Artikel über Windisch in den folgenden Nachschlagewerken: — Hugo Riemanns Musik-Lexikon, 10. Aufl., bearbeitet von Alfred Einstein, Berlin: Max Hesses Verlag, 1922 (Vorwort auf S. X unterzeichnet: „München, 27. September 1922“), S. 1426. — Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon von Paul Frank in der Neu- bearbeitung durch Wilhelm Altmann, 12. Aufl., Leipzig: Carl Merseburger, 1926,
S. 452, rechte Sp. (unveränderter Nachdruck als 13. Aufl. 1927). — Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon, begründet von Paul Frank, neubearbeitet und ergänzt von Wilhelm Altmann), 14. Aufl., Regensburg: Bosse, 1936, S. 691 (unveränderter Nach- druck als 15. Aufl., Wilhelmshaven: Heinrichshofen’s Verlag, 1971). — Das neue Mu- siklexikon, nach dem “Dictionary of Modern Music and Musicians”, herausgegeben von A. Eaglefield-Hull, übersetzt und bearbeitet von Alfred Einstein, Berlin: Max Hesses Verlag, 1926, S. 706. — Hugo Riemanns Musiklexikon, 11. Aufl., bear- beitet von Alfred Einstein, Berlin: Max Hesses Verlag, 1929, Bd. 2, S. 2034. — Erich H[ermann] Müller, Deutsches Musiker-Lexikon, Dresden: Wilhelm Limpert, 1929, Sp. 1579. Aus einem Sonderzeichen unter dem Artikel und dem Abkürzungsverzeich- nis des zuletzt genannten Lexikons (S. [IX], zuunterst) geht hervor, dass Windisch seinen Fragebogen, mit welchem Müller die Angaben für sein Lexikon zusammentrug, nicht zurückgeschickt hatte. Müller entnahm in solchen Fällen seine Kenntnisse ver- mutlich der ausgewerteten Literatur, die er auf S. [XI] angab. Gleichwohl ist hier die Berliner Adresse von Windisch genannt, die Müller zum Versand seines Fragebogens bekannt gewesen sein muss.
     Ergänzend lässt sich feststellen, dass in dem von Arnold Ebel herausgegebenen Berliner Musikjahrbuch 1926 (Berlin und Leipzig: Verlagsanstalt Deutscher Ton- künstler A.-G.) die Angaben über die Adresse von Fritz Windisch auf Seite 236 nur einem Windisch-Sartowsky, Hans zugeschrieben werden; vgl. dazu auch Kapitel 4, Familiäre Verhältnisse, zweiter Absatz.

[3]  Dies lässt sich wohl auch von Stephan Schulzes Aufsatz (2001) über Melos sagen, der andererseits einen grundsätzlich guten Überblick über diese Zeitschrift vermittelt und manches Detail ins Bewusstheit hebt. Auf Windisch kommt sein Verfasser freilich nur in negativer Weise zu sprechen, wenn er diesen als „unbedeutenden Berliner Mu-
sikwissenschaftler“ charakterisiert (S. 90) und auf derselben Seite schreibt: „So ver- flachten unter (dem von Scherchen wenig geschätzten) Windisch nicht nur die Inhalte [von Melos], auch die in erster Linie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurden gegen 1922 untragbar […].“ Vgl. Stephan Schulze, Wo ist die Zeitschrift ,Melos‘ geblieben?, in: Musik & Ästhetik, hg. von Ludwig Holtmeier, Richard Klein und Klaus-Steffen Mahnkopf, 5. Jg., Nr. 18, Stuttgart: Klett-Cotta, April 2001, S. 85–98. Meiner Ansicht nach wäre hier vielleicht eine Erklärung nicht überflüssig, wie der Ver- fasser zu seiner Einschätzung Windischs gelangte und worin genau er die „Verflachung“ der Zeitschrift Melos erblickte. Dass Scherchen Windisch wenig schätzte, mag sachlich zwar richtig sein, auch wenn für diese Aussage kein Beleg angegeben ist. Mir scheint dies freilich kein hinreichender Grund für eine abfällige Bewertung zu sein, denn die Ur-
sache einer Distanz zwischen Scherchen und Windisch könnte allein darin bestanden haben, dass Windisch nicht nach Scherchens Pfeife tanzte. – Vgl. auch den letzten Satz des Unterkapitels Der Name „Melos“.

[4]  Artikel Windisch, Fritz in Hugo Riemanns Musik-Lexikon, 10. Auflage von 1922 (wie Fußnote [2]).

[5]  Der Satz « Fermentation, c’est la vie sans l’air » (Gärung ist Leben ohne Luft) wird auf Louis Pasteur (1822–1895) zurückgeführt, doch wird die Gärung ohne Sauerstoff heute nur als ein Teilgebiet der Fermentation betrachtet.

[6]  Von dem Biochemiker Hugo Haehn stammt auch der Beitrag Zum 60. Geburts- tag von Prof. Dr. Fritz Windisch, in: Brauwelt, Jg. 95 (1955), Nr. 101 vom 20. De- zember 1955, S. 1693.

[7]  Informationen aus der Todesanzeige weiter unten. Der „Vaterländische Verdienst- orden“ war eine 1954 gestiftete Auszeichnung in der ehemaligen Deutschen Demokra- tischen Republik, die in „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ sowie in Form einer „Ehren- spange zu Gold“ verliehen wurde. Vgl. den Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia .org/wiki/Vaterl%C3%A4ndischer_Verdienstorden.

[8]  Vgl. das Porträt von Peter Lietz. Wilhelm Windisch – ein Leben für die Brau- wissenschaft [zum 150. Geburtstag von Wilhelm Windisch am 6. Dezember], S. 3–7, mit dokumentarischen Fotos, in: Jahrbuch 2010 der „Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e.V.“ (GGB) www.ggb-berlin.de; ISSN 1860-8922; vgl. auf der Web- seite Periodika Bücher den Link ganz unten links: Jahrbücher, dann Liste der noch lieferbaren Jahrbücher: hier Jahrbuch 2010 mit Inhaltsangabe; erster Beitrag der Ausgabe. Der Aufsatz, dessen Manuskript mir sein Verfasser freundlicherweise zur Verfügung stellte, ist mit 7 Abbildungen, darunter einem Foto von Wilhelm Windisch versehen. Man erhält hier einen so guten wie schnellen Überblick über Leben und Schaffen von Wilhelm Windisch, zumal vielfach aus seinen Schriften wie auch Briefen zitiert wird. Sein Sohn Fritz Windisch wird zweimal erwähnt (Ms-S. 18 und in Anmer- kung [35] auf Ms.-S. 21). – Von Peter Lietz erschien ferner: Wilhelm Windisch zum Gedenken, in: Brauerei Forum. Fachzeitschrift der VLB Berlin; Oktober-Print- ausgabe 9, Berlin 2010; vgl. http://www.vlb-berlin.org/brauerei-forum. Vgl. auch die folgende Fußnote [9].

[9]  J[ohann] C[hristian] Poggendorff, Biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, hg. von der Sächsischen Akademie der Wissen- schaften zu Leipzig, Redaktion: Prof. Dr. Rudolph Zaunock und Prof. Dr. Hans Salié, Bd. VIIa, Teil 4 (S–Z) II, Berichtsjahre 1932 bis 1953, Berlin: Akademie-Verlag, 1962, S. 1019–1021 der Artikel Windisch, Friedrich mit Verzeichnis naturwissen- schaftlicher Publikationen. In diesem Artikel sind auch die Lebensdaten Fritz Windischs angegeben, und ungeachtet der Angabe der Berichtszeit finden sich in dem Lexikon die Veröffentlichungen Windischs bis 1960. Im selben Nachschlagewerk folgt unmittelbar (auf S. 1021) ein Artikel über den Vater, den Gärungschemiker Wilhelm Windisch (geb. am 8. Dezember 1860 in Schmitten im Taunus, etwa 36 km nordwestlich von Frankfurt am Main; gest. am 26. September 1944 in Berlin); die Informationen dieses Artikels, so wird mitgeteilt, gehen auf seinen Sohn Friedrich Windisch zurück. Freund- licher Hinweis von Michaela Knör, Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) e.V., Bibliothekarin der Lorberg-Bibliothek/Lorberg Library. Da Windisch hier an dem Vorgänger-Institut gearbeitet hatte, fragte ich nach Einzelheiten an. Dabei war zu erfahren, dass die Personalakte Windischs nicht mehr vorhanden sei und vermutlich bei einem Bombenschaden im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde (Auskünfte ebenfalls von Michaela Knör – siehe oben – im Dezember 2010).
     Von Wilhelm Windisch erschienen unter anderem die Bücher Das chemische Laboratorium des Brauers (5. Aufl., Berlin: Paul Parey, 1902; 6. Aufl. ebd., 1907) oder die Übersetzung aus dem Englischen des Buchs von Joseph Reynolds Green Die Enzyme (Berlin: Paul Parey, 1901). 1925 wurde die 2. Auflage des von Max Delbrück begründeten Illustrierten Brauerei-Lexikons unter der Mitwirkung von Wilhelm Windisch veröffentlicht (hg. von Max Delbrück und Friedrich Hayduck, Berlin: Parey, 1925), 2 Bde. – Für den 8. Dezember 1860 verzeichnet die Webseite der Berlin Chronik (http://www.luise-berlin.de/kalender/tag/dez08.htm): „Wilhelm Windisch wird in Schmitten (Obertaunus) geboren. Seit 1885 war Windisch Mitarbeiter des Instituts für Gärungsgewerbe und Stärkefabrikation an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin.“

[10]  Vgl. Berliner Adreßbuch 1895, Teil I, S. 1507, Sp. [3] den Eintrag „[Windisch] J., Mälzer, SO [Berlin, Südost] Wienerstraße 21, IV. [Stockwerk]“; ferner im Berliner Adreßbuch 1896, Teil II, S. 1182, Sp. [1] der Eintrag „[Windisch] J., Brauer, SO [Berlin, Südost] Wienerstraße 21, III. [Stockwerk]“. Man bedenke, dass Fritz Win- disch ein eigenes „Institut für Brauerei und Mälzerei“ eröffnete; vgl. Fußnote [19]. –
Im Jahrgang 1897 des Berliner Adressbuchs (Teil I, S. 1426, Sp. [1]) steht anstelle
der Berufsbezeichnung bei „Windisch J.“ jedoch „Invalide“ mit Wohnort in Berlin-
Schöneberg, Colonnenstr. 40  II, und ich vermag nicht zu sagen, ob hier dieselbe Per-
son wie der Mälzer und Brauer gemeint ist.

[11]  Das Foto, auf das mich Michaela Knör in Zusammenhang mit dem folgenden Aufsatz dankenswerterweise hinwies (vgl. Fußnote [9]), begleitete auf S. 372 den Beitrag von Dr. Willy Nordheim: Prof. Dr. habil. Friedrich Windisch – 65 Jahre, in: Brauwissenschaft (heute: BrewingScience. Monatsschrift für Brauwissen- schaft), 13. Jg., Nr. 12, Nürnberg: Fachverlag Hans Carl, 1960, S. 372–379. – Das Foto wurde von der noch vorhandenen originalen Vorlage im November 2010 neu eingescannt, und die Eingabe ins Internet erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fachverlags Hans Carl GmbH in Nürnberg. Frau Dr. Lydia Winkelmann, der Chef- Redakteurin für alle auf die Brauerei bezogenen Zeitschriften des Verlags, ist vielmals
zu danken für ihre Bemühungen im Oktober/November 2010.

[12]  Seit dem 10. September 1936 war, laut dem Berliner Straßenlexikon (© 2009–2010 Luisenstädtischer Bildungsverein), die Lindenstraße in Grabbeallee umbenannt; die Hausnummern änderte man später, so dass aus der ursprünglichen „Lindenstraße 35b“ im Jahre 1937 übergangsweise die „Grabbeallee 35b“ und dann im Berliner Adreßbuch 1938 erstmals die „Grabbeallee 48“ wurde. Heute gehört Niederschönhausen zu Pankow in Berlin.

[13]  Zu Müllers Deutschem Musiker-Lexikon vgl. Fußnote [2], zu Wilhelm Windisch Fußnote [8] und den zweiten Absatz von Fußnote [9].

[14]  Das vorausgehende Blatt 115 ist das Begleitschreiben der Dissertation des cand. phil. Fritz Windisch vom 11. November 1925, das an den Dekan der Philosophischen Fakultät Berlin gerichtet ist. Windisch erwähnte hier zugleich den Titel seiner Disser- tation sowie die beigefügten „Personalpapiere“. Hierbei sprach er die Bitte aus, im Rahmen seines Doktorexamens im Hauptfach Chemie und den Nebenfächern Botanik, Geologie und Philosophie geprüft zu werden. Blatt 142 (Phil. Fak. 651) enthält den in der Dissertation abgedruckten Lebenslauf von Windisch, der oberhalb seiner Dank- sagung an Carl Neuberg steht. Dieser gedruckte Lebenslauf, der – abgesehen von der Ausschreibung eines bis-Striches und der Aufhebung der Namenssperrung – identisch ist mit dem maschinenschriftlichen und handsignierten sechszeiligen Lebenslauf (siehe oben), lautet: „Ich, Fritz Windisch, bin geboren am 20. Dezember 1895 zu Nieder- schönhausen, erhielt das Maturitätsexamen 1916 am Real-Gymnasium zu Pankow, stand von 1914 bis 1918 im Marinedienst und studierte danach Chemie, Physik, Physiko-Chemie, Botanik, Geologie, Philosophie in Berlin und Leipzig.“
     Die gedruckte Fassung von Windischs Dissertation hat die folgende Titelseite (dem Archiv der „Humboldt-Universität“ ist für eine Fotokopie des Dokuments zu danken): Über das Wesen der Essiggärung | und die chemischen Leistungen | der Essig- bakterien | Inaugural=Dissertation | zur | Erlangung der Doktorwürde | geneh- migt von der | hohen philosophischen Fakultät der | Friedrich Wilhelm=Universi- tät zu Berlin | von | Fritz Windisch | aus Niederschönhausen | Tag der Promotion 21. Dezember 1926 | Verlagsbuchhandlung Julius Springer in Berlin | 1926 (die hier erwähnte „Friedrich Wilhelm=Universität zu Berlin“ wurde 1949 in „Humboldt- Universität“ umbenannt).

[15]  Alle drei Lebensläufe wurden mir neben anderen Dokumenten zu Windisch als Fotokopie vom Archiv der „Humboldt-Universität“ Berlin im Oktober/November 2010 freundlicherweise zugänglich gemacht. (Kursives im Original gesperrt.)

[16]  Eine weitere Bestätigung der Lebenszeit Friedrich Windischs (20.12.1895 bis
7.4.1961) konnte ich von der Friedhofsverwaltung in Berlin-Pankow erhalten, wo sich einst auf dem Friedhof Pankow III, Bürgerpark 24 (ehemals Bahnhofstraße) das Grab Friedrich Windischs in Abteilung 1, Sonderstellen, Reihe 1 als Grab Nr. 8 befunden hatte. Die Grabstätte ist seit 1986 abgelaufen und nicht mehr vorhanden. Nutzungs- berechtigt war Marie Windisch, die Ehefrau von Friedrich Windisch, doch liegen keine weiteren Angaben über Hinterbliebene vor. (Freundliche briefliche Auskünfte von Frau Stephan, Friedhofsverwaltung des Bezirksamtes „Pankow von Berlin“, Amt für Umwelt und Natur, von Berlin, am 16. November 2010). – Bestätigt wird das Geburtsjahr „1895“ ferner durch die beiden Gratulations-Aufsätze zu Windischs 60. und 65. Ge- burtstag in den Zeitschrift Brauwelt und Brauwissenschaft, die 1955 und 1960 erschienen (vgl. Fußnote [6] und [22]). – Zurückführen lässt sich die Datierung „1897“ vermutlich auf Riemanns Musik-Lexikon von 1922 (vgl. Fußnote [2]).

[17]  Zur Umbenennung von Straßenname und Hausnummer der Lindenallee vgl. Fuß- note [12].

[18]  Vgl. hierzu Hinderk Conrads und Brigitte Lohff, Carl Neuberg – Biochemie, Politik und Geschichte. Lebensweg und Werk eines fast verdrängten Forschers, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 2006 (Reihe: Geschichte und Philosophie der Me-
dizin
, Bd. 4); hier zu Fritz Windisch S. 27, 163, 164, 185, 195, 221. Archivalien zu
Fritz Windisch aus den Jahren 1948–56 in Box 18 von Neubergs Nachlass (siehe hier unter Series I: Correspondences). – Carl Neuberg wurde auf Grund seiner jüdischen Abstammung 1936 zum Rücktritt gezwungen; er verließ Deutschland im Jahr darauf. – Carl Neuberg und Fritz Windisch veröffentlichten 1925/26 gemeinsam mehrere Arbei- ten über die Essiggärung; vgl. das Verzeichnis der Arbeiten und Veröffentlichungen von Friedrich Windisch (wie Fußnote [22]), S. 375 ff., Nr. 1–4.

[19]  Im Berliner Adreßbuch 1936 ist in Teil I auf S. 2979 in Sp. [4] angezeigt:
„[Windisch], Fritz, Dr techn[isch-]wissenschaftl[iches] Instit[ut] N4 Invalidenstra- ße 102 T[elefon]“ Im selben Jahrgang des Adressbuchs befindet sich unter Invaliden- straße 102 der Eintrag: „Institut f[ür] Brauerei u[nd] Mälzerei T[elefon]“ (Teil IV,
S. 383, Sp. [1]); das Berliner Adreßbuch 1937 wiederholt die Angaben im Wesent- lichen (Teil IV, S. 384, Sp. [3]), und letztmalig erscheint das Institut Windischs im Berliner Adreßbuch 1938 (Teil IV, S. 396, Sp. [7]). – Die Invalidenstraße befindet sich in Berlin nordöstlich des Tiergarten-Parks; Windischs Institut habe „gegenüber der Landwirtschaftlichen Fakultät der Humboldt Universität“ gelegen (Peter Lietz:
vgl. Fußnote [8]).

[20]  Zu Carl Neuberg vgl Fußnote [18].

[21]  Vgl. weitere Einzelheiten in dem weiter unten zitierten Lebenslauf (hier). Der Text zu § 6 des Gesetzes zu Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 befindet sich in der linken Spalte von Seite 176 des Reichsgesetzblattes, Teil I  (Nr. 34, ausgegeben zu Berlin am 7. April 1933). – In diesem Paragraphen des Ge- setzes, der aus nur sechs Textzeilen besteht, wird freilich nicht auf die Beschäftigung von Beamten eingegangen, die jüdischen Lehrkräften enger verbunden waren.

[22]  Für die Recherche des zitierten Dokuments habe ich Auste Wolff, Berlin, Archiv der „Humboldt-Universität“, vielmals zu danken; Dank gebührt auch Dagmar Seemel und Dr. Winfried Schultze, dem Leiter des Archivs, aus dem ich am 22. Oktober 2010 unter anderem eine Fotokopie dieses Lebenslaufes erhielt. – Ein zweiter, jedoch ge- druckter Text, der in ausführlicher Form Fritz Windischs Lebensweg nachzeichnet, seine Forschungen beschreibt und zugleich Windischs wissenschaftliche Schriften zusammenstellt, ist: Dr. Willy Nordheim, Prof. Dr. habil. Friedrich Windisch – 65 Jahre, in: Brauwissenschaft, 13. Jg., Nr. 12, Nürnberg 1960, S. 372–379 (mit Porträtfoto von Windisch); auf S. 375–379 ist ein 186-teiliges chronologisches Ver- zeichnis der Arbeiten und Veröffentlichungen von Friedrich Windisch (beginnend 1925) abgedruckt. Da der Verfasser dieser Geburtstagsadresse mit Windisch zusam- menarbeitete, gehen viele Informationen wohl direkt auf Windisch zurück (vgl. auch im Haupttext hier). – Für die Recherche und Überlassung einer Datei dieses Aufsatzes ist Michaela Knör von der Berliner Lorberg-Bibliothek (siehe Fußnote [9]) vielmals zu danken.

[23]  Gerhard Krüger (1908–1994); vgl. den gleichnamigen Wikipedia-Artikel unter  http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Kr%C3%BCger_%28NS-Funktion%C3%A4r%29.

[24]  Vgl. Christoph Jahr unter Mitarbeit von Rebecca Schaarschmidt (Hg.), Die Berliner Universität in der NS-Zeit, Bd. 1: Strukturen und Personen, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 2005, hier das Kapitel von Steffen Rückl unter Mitarbeit von Karl-Heinz Noack, Studentischer Alltag an der Berliner Universität 1933 bis 1945 (S. 115–142), Zitat von S. 120 (das Buch ist in einer Online-Teilausgabe einsehbar). Dem Zitat sind im Original in den Fußnoten 18 und 19 die betreffenden Quellen aus dem „Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz“ sowie des Universitätsarchivs der „Humboldt-Universität“ beigefügt. – Der Vorwurf, Anhänger des Kommunismus zu sein, dürfte sich auf das literarische Werk Windischs gestützt haben, das hier an spä-
terer Stelle behandelt wird (vgl. Kapitel 5). Zum Begriff des „kurz darauf“ im letzten Satz vgl. Fußnote [28], zweiter Absatz.

[25]  Vgl. die Quellenangabe in Fußnote [22].

[26]  Erhard Landt (1900–1958); vgl. die Liste unter
http://www.synchron-publishers.com/texte/06-studien/0606lexikonliste.html#L in dem Buch Michael Grüttner, Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wis- senschaftspolitik (Reihe: Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte; Bd. 6), Heidelberg: Synchron, 2004.

[27]  Zu § 6 des Gesetzes vgl. Fußnote [21].

[28]  Erneut ist hier zunächst ein von dem Bekannten abweichendes Geburtsjahr für Fritz Windisch eingetragen: „20.12.1898 in Berlin“. Die handschriftlichen Vermerke lauten: Fachgebiet: Landwirtschaftswissenschaft, Amtsbezeichnung: Priv[at-] Dozent („Priv“ durchgestrichen); Personalakte: W 251 (Kursives im Original handschriftlich).
     Eine zeitliche Differenzierung von Windischs Beurlaubung „mit sofortiger Wirkung“ und seiner Entlassung wird in den Angaben bei Rückl und Noack sichtbar (wie Fuß- note [24]), denn in Fußnote 19 dieser Autoren sind zwei Ministerialerlasse mit Datum vom 10.5.1933 sowie vom 1.6.1935 genannt. Da das zweite Datum auch auf der zi-
tierten Karteikarte aus dem Bundesarchiv erscheint, hat sich die Entlassung Windischs offenbar in zwei Schritten vollzogen, die zeitlich fast zwei Jahre auseinander lagen. Ob man bei dieser Zeitspanne noch von „kurz darauf“ sprechen kann, wie dies die Autoren im Haupttext tun, sei dahingestellt.
     Herrn Matthias Meissner, Bundesarchiv Berlin, ist für seine Recherchen und die Überlassung einer Fotokopie der genannten Karteikarte vielmals zu danken.

[29]  Kursives im Original in normaler Schrift, jedoch deutlich größeren Typen. – Für die Recherche und die Übersendung einer Datei im Oktober 2010 habe ich Gerhard Mesli, Berlin, Landesarchiv Berlin, vielmals zu danken. Über die Grabstelle von Fritz Windisch siehe Fußnote [16].

[30]  Undatierter Lebenslauf im Archiv der „Humboldt-Universität“ Berlin (vgl. Fuß- note [15]), Blatt I (handschriftlich oben rechts die Paginierung „17“); ebenso wird der Marinedienst erwähnt in dem kurzen Lebenslauf (Dissertation); vgl. Fußnote [14].

[31]  Quästur ist die frühere Bezeichnung der Finanzbehörde einer Universität.

[32]  Eintragungen unter „Wohnung“ auf Windischs Quästurkarteikarte (Signatur: UAL, Quästurkartei; Universitätsarchiv Leipzig).

[33]  Die allgemeine Regelung besagt in §. 15. (S. 49) des „Reichs-Militärgesetzes“ vom 2. Mai 1874 (Deutsches Reichs-Gesetzblatt, Nr. 15 von 1874, S. 45 ff.): „Mili-
tärpflichtige, welche wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen dauernd dienstun-
brauchbar befunden werden, sind vom Militärdienst und von jeder weiteren Gestellung vor die Ersatzbehörden zu befreien.“

[34]  Vgl. das in Fußnote [30] belegte Zitat.

[35]  Vgl. den Artikel Kieler Matrosenaufstand in der Wikipedia. Die 14 Kieler Punkte, welche die Forderungen der Demonstranten enthielten, sind in einer pdf-Datei nachlesbar: http://vimu.info/files/teacher/izrg/9_10_104_teama_zm4_revolution_de.pdf.

[36]  Arthur Hantzsch (1857–1935), Chemiker; an der Universität Leipzig von 1903 bis 1927; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Hantzsch.

[37]  Schäfer; bislang ist unklar, wer hier gemeint ist.

[38]  Siehe Fußnote [36]

[39]  Wilhelm Friedrich Philipp Pfeffer (1845–1920), Botaniker; wurde 1887 an die Universität Leipzig berufen. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Pfeffer.

[40]  Der Physiker Otto Heinrich Wiener (1862–1927) wurde 1899 an die Leipziger Universität berufen. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Wiener_%28Physiker%29.

[41]  Johannes Volkelt (1848–1930) lehrte von 1894 bis 1921 an der Leipziger Uni-
versität; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Volkelt. Vgl. auch http://www.ost-
deutsche-biographie.de/volkjo98.htm
. Ein download zahlreicher Schriften ist unter http://www.archive.org/search.php?query=Johannes%20Volkelt kostenlos möglich.

[42]  Max Brahn (1873–1944), Psychologe; arbeitete seit etwa 1911 an der Leipziger Universität; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Brahn.

[43]  Eine Fotokopie aus dem nach Nummern geordneten Immatrikulations-Buch mit Spaltenvordrucken und handschriftlichen Eintragungen (Bestand: 108. Rektorat) belegt in Spalte 2 die Immatrikulation. In dem gedruckten Studentenverzeichnis der Univer- sität, von dem ich die Seite 365 in Fotokopie erhielt, ist Fritz-Fridolin Windisch unter der genannten Matrikelnummer ab Michaelis [29. September] 1918 erfasst.

[44]  Kursives steht für Handschriftliches des Dokuments.

[45]  Dokument des Archivs der „Humboldt-Universität“ zu Berlin, Bestand: Phil.
Fak. 651; rechts oben die handschriftliche Blattzählung „119“. Vgl. über die „Kaiser Wilhelm Gesellschaft“, deren Grundlagenforschungen nach 1945 von der „Max- Planck-Gesellschaft“ übernommen wurden, den betreffenden Wikipedia-Artikel.

[46]  Vgl. den bibliografischen Zitierlink für die Dissertation bzw. die Habilitation von Windisch.

[47]  Vgl. das durch Fußnote [19] belegte Zitat.

[48]  Vgl. den ersten Satz in dem durch Fußnote [22] belegte Zitat des Lebenslaufs von 1948.

[49]  Vgl. die bibliografische Zusammenstellung hier.

[50]  Vgl. Fußnote [16].

[51]  Briefliche und telefonische Mitteilungen von Dr. Peter Lietz im Januar 2011, der Windisch noch in Vorlesungen gehört hatte und gelegentlich noch in Kontakt steht zu Windischs Assistenten Dr. Willy Nordheim. In Lietz’ Aufsatz (vgl. Fußnote [8]) über Wilhelm Windisch befindet sich die Abbildung des Titelblatts des Alkoholischen Lieds (vgl. Fußnote [58]).

[52]  Archiv der Berliner „Humboldt-Universität“, Einzelheiten über das Studium von Hans Windisch in Fußnote [81].

[53]  Auf S. 236 in der rechten Spalte; vollständige bibliografische Angaben in Fuß- note [2], zweiter Absatz.

[54]  Da Schmachtenhagen heute zu Oranienburg gehört, fragte ich in dem dortigen Stadtarchiv an. Ich musste aber erfahren, dass hier nichts über den Genannten be- kannt sei und eine meldebehördliche Erfassung erst ab 1953 stattgefunden habe. Auch in den Adressbüchern von Oranienburg und Umgebung (darunter auch Schmachten- hagen), im Kreismuseum Oberhavel oder dem „Heimatverein Schmachtenhagen e.V.“ (vertreten durch Herrn Kurt Müller) wie in den personenstandlichen Unterlagen des Standesamtes ließ sich Windisch-Sartowsky nicht nachweisen. (Freundliche telefoni- sche Auskünfte sowie E-Mail von Christian Becker, Stadtarchiv Oranienburg. im November 2010 bzw. Januar 2011.)

[55]  Vgl. http://lccn.loc.gov/unk84092912 oder auch http://d-nb.info/gnd/127332677. Da in der Titelaufnahme durch die „Library of Congress“, zu welcher der erste Link führt, Richard Keßler [Kessler] als Operetten-Librettist genannt wird, der unter ande-
rem durch Werke von Eduard Künneke, Walter Bromme, Richard Fall und Robert Winterberg bekannt wurde, bestand Sartowskys Aufgabe vermutlich in der Vertonung der Texte. – Vgl. auch die niederländische Webseite zu „Als de mens“ [neue Suche]
für Gesangstimme und Klavier aus dem Jahr 1936.

[56]  Vollständige bibliografische Angaben in Fußnote [2].

[57]  Zitiert in dem Aufsatz von Peter Lietz (wie Fußnote [8]), Ms-S. 2), der in seiner Anm. [3] (Ms-S. 21) die folgende Festschrift als Quelle angibt: H[einrich] Schulze- Besse, Festschrift der Cimbria zur Feier des 40-jährigen Bestehens, Berlin 1928.

[58]  Vgl. P. Lietz (wie Fußnote [8]), Ms-S. 17.

 

 

 

Fortsetzung in Teil 2

 

 

 

Erste Eingabe ins Internet:   7. Februar 2011
Letzte Ãnderung:  Sonntag, 1. April 2012


© 2011 Herbert Henck